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Stolpersteine Lich

November 1938: Männer aus Lich in Buchenwald

Nach dem November­pogrom 1938 wurden auch Männer aus Lich und Muschenheim verhaftet und in das Konzentrations­lager Buchenwald bei Weimar verschleppt. Auf sechs Stolper­steinen steht deshalb „‚Schutzhaft‘ 1938 / Buchenwald“. Ein siebter Mann aus Lich, Bernhard Lind, kam dort ums Leben; für ihn gibt es keinen Stein.

Schon im März 1933 hatte die Licher SA die jüdischen Familien überfallen: Pogrom März 1933.

Was im November 1938 geschah

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und in den Tagen danach zerstörten National­sozialisten im ganzen Deutschen Reich Synagogen, Geschäfte und Wohnungen jüdischer Familien. Rund 30.000 jüdische Männer wurden verhaftet und in die Lager Buchenwald, Dachau und Sachsen­hausen gebracht, fast 10.000 von ihnen nach Buchenwald. Die National­sozialisten nannten das verharmlosend „Schutzhaft“.

Die Männer wurden gedemütigt, geschlagen und mussten unter elenden Bedingungen ausharren; Hunderte starben in den Wochen der Haft. Freige­lassen wurde meist nur, wer nachweisen konnte, dass er Deutschland bald verlassen würde. Die Haft sollte die jüdischen Familien zur Auswanderung zwingen – und ihr Vermögen in die Hände des Staates bringen.

Die Männer aus Lich und Muschenheim

  • Ludwig Bamberger, Jg. 1902, Oberstadt 26, Lich. Er wurde am 13. Dezember 1938 entlassen und blieb in Lich. 1942 wurde er deportiert und im besetzten Polen ermordet.
  • Julius Bamberger, Jg. 1897, Alter Rathaus­platz 7, Muschenheim. Er war nach Frankfurt gezogen und wurde am 11. November 1938 von dort nach Buchenwald gebracht; am 30. November kam er frei. 1939 gelang ihm die Flucht in die USA.
  • Ernst Hammer­schlag, Jg. 1910, Brück­gasse 7, Muschenheim. Er wurde schon am 8. November 1938 verhaftet und kam erst am 6. Januar 1939 aus Buchenwald frei. Nach Frankfurt hatte er schon 1938 ziehen müssen. 1942 wurde er nach Majdanek deportiert und dort am 8. August 1942 ermordet.
  • Emil Isaak, Jg. 1887, Oberstadt 13, Lich. Er wurde am 13. Dezember 1938 aus Buchenwald entlassen; das Gedenkbuch des Bundes­archivs nennt außerdem Dachau. 1941 wurde er nach Łódź (Litzmann­stadt) deportiert und ermordet.
  • Hermann Sommer, Jg. 1896, Oberstadt 11, Lich. Er war schon 1935/36 ein Jahr lang wegen sogenannter „Rassen­schande“ in Haft gewesen. Am 9. Dezember 1938 wurde er aus Buchenwald entlassen, 1939 konnte er in die USA fliehen.
  • Eduard Windecker, Jg. 1888, Seelen­hof­gasse 1, Lich. Er wurde am 13. Dezember 1938 entlassen. 1942 wurde er nach Theresien­stadt deportiert, 1943 nach Auschwitz, und ermordet.

Schon im Juni 1938 war Adolf Stiefel aus der Bahnhof­straße 27 verhaftet und in das Lager Sachsen­hausen gebracht worden. Im September 1938 kam er frei, 1939 floh er nach England.

Bernhard Lind

Bernhard Lind, geboren am 14. Dezember 1877 in Crainfeld bei Lauterbach, war der Schochet der jüdischen Gemeinde Lich: Er schlachtete Tiere nach den religiösen Vorschriften. Nach dem Pogrom wurde auch er nach Buchenwald verschleppt. Dort starb er am 4. Dezember 1938, zehn Tage vor seinem 61. Geburtstag; die Lager­ver­waltung meldete ihn noch am selben Tag als verstorben.

Weil er die Volks­zählung im Mai 1939 nicht mehr erlebte und nie deportiert wurde, fehlt sein Name in vielen Listen – und vor seinem Haus liegt bis heute kein Stolper­stein. Bertha Lind, geb. Oppen­heimer – vermutlich seine Frau –, zog 1940 nach Frankfurt und nahm sich dort am 20. Oktober 1941 das Leben, am Tag der ersten großen Deportation aus Frankfurt. Wo Bernhard Lind in Lich wohnte, ist noch nicht geklärt.

Das erste Pogrom hatte Lich schon fünfeinhalb Jahre zuvor erlebt: März 1933 – das Pogrom in Lich.

Quellen und Stand der Recherche

Inschriften der Stolper­steine in Lich und Muschenheim; Bundes­archiv, Gedenkbuch für die Opfer der Verfolgung der Juden; Mapping the Lives (Volks­zählung 1939); Alemannia Judaica.

Arolsen Archives, Bestand Konzentrations­lager Buchenwald (1.1.5): Hinweis­karte Bernhard Lind (1.1.5.3/6496321) und Veränderungs­meldung vom 4. Dezember 1938 mit der Meldung seines Todes (1.1.5.1/5278192); Namentliche Liste der am 13. Dezember 1938 entlassenen „Aktions­juden“ mit Ludwig Bamberger (Nr. 22535) und Emil Isaak (Nr. 23123) (1.1.5.1/5278249), dieselbe Liste Blatt 4 mit Eduard Windecker (Nr. 23108) (1.1.5.1/5278250); Geldver­waltungs­karte Hermann Sommer (Nr. 26127, entlassen 9.12.1938) (1.1.5.3/7157674); Geldver­waltungs­karte Ernst Hammer­schlag (Nr. 23109, entlassen 6.1.1939) (1.1.5.3/6059575); Hinweis­karte und Effekten­karte Julius Bamberger, Muschenheim (Nr. 10220) (1.1.5.3/5470894, 5470895). Das Online-Archiv fragt beim ersten Aufruf nach einer Einver­ständnis­erklärung.

Wissen Sie mehr über diese Männer und ihre Familien? Schreiben Sie uns: info@stolpersteine-lich.de