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Stolpersteine Lich

Familie Leopold Bamberger

Die Familie Bamberger lebte seit dem Ende des 18. Jahrhunderts in Muschenheim. Leopold Bamberger war Kaufmann und Vorsänger der kleinen jüdischen Gemeinde; mit seiner Frau Jenny, geborene Mayer, führte er einen Laden. Als die Einschüchterungen 1934 zunahmen, folgten die beiden ihren Söhnen Julius und Hugo nach Frankfurt. Vier Stolper­steine vor dem Haus Alter Rathaus­platz 7 erinnern an Leopold, Jenny, Julius und Hugo Bamberger. Leopold und Jenny wurden 1942 in Theresien­stadt ermordet. Julius und Hugo konnten in die USA fliehen; Julius war nach dem November­pogrom in Buchenwald inhaftiert.

Leben in Muschenheim

Am Anfang ihrer Geschichte in Muschenheim steht Isaak Bamberger, dem hier Schutz erteilt wurde. Von der Familie zeugen zahlreiche Grabsteine auf den jüdischen Fried­höfen „In den Kappes­gärten“ und „Bei der Lehmkaute“. In den Kappes­gärten sind auch die Grabsteine von Nathan und Fanny Bamberger erhalten, den Eltern Leopolds. Leopold, 1865 geboren, wurde wie sein Vater Kaufmann und handelte mit Vieh sowie mit Kurz- und Ellen­waren.

Am 7. Oktober 1897 kam Julius zur Welt, der Sohn Leopolds und seiner ersten Frau Zilli Flörsheim. Sie starb sechs Wochen nach der Geburt, mit nur 28 Jahren. Zwei Jahre später heiratete Leopold die am 18. Mai 1877 geborene Jenny Mayer aus Wohnbach. Am 11. Februar 1900 kam der Sohn Hugo zur Welt; die Tochter Flora, zwei Jahre nach ihm geboren, wurde nur acht Jahre alt.

Die Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Muschenheim von 1959 überliefert eine Geschichte aus dem Dezember 1895. Bei einem schweren Gewitter schlug der Blitz in den Kirchturm ein. Kaufmann Bamberger war Feuer­melder, aber nicht zu Hause. Seine Frau schickte deshalb mitten in der Nacht das Dienst­mädchen nach Dorf-Güll, um die dortige Feuerwehr zu alarmieren. Als die Feuerwehr kam, war das Feuer schon gelöscht – und Bamberger musste die Dorf-Güller Wehr bezahlen.

In Muschenheim erzählte man sich, Leopold sei immer gut gekleidet gewesen und habe im Dorf einen guten Ruf gehabt. Er war Vorsänger der kleinen jüdischen Gemeinde. Mit Jenny führte er einen Laden, in dem die beiden Stoffe, Knöpfe, Hosen­träger und Gummizüge verkauften; nachmittags ging Leopold mit seinem Bauch­laden nach Birklar und Betten­hausen.

Vor 1933 waren die Juden im Dorf gut einge­bunden: in der Pflicht­feuerwehr, beim Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, in der Gastwirtschaft und in der Dorfjugend. So beschreibt es Vikar Dieter Quick, der 2002 mit Muschen­heimer Zeitzeugen sprach.

Julius und Hugo waren schon vor 1933 nach Frankfurt gegangen. Beide arbeiteten bei einer Frank­furter Kredit­anstalt und unter­stützten von Frankfurt aus ihre Eltern. Julius hatte Elsa Hahn geheiratet; ihr Sohn kam 1928 in Bad Homburg zur Welt.

Ausgegrenzt

Nach 1933 wuchs der Kreis der National­sozialisten rasch. Es kam zu Einschüchterungen; eine Zeit lang stand ein SA-Mann vor dem Haus einer jüdischen Familie. Eine Stimmung der Angst vereinzelte die Juden. 1934 wurden die Einschüchterungen stärker; Leopold und Jenny verließen Muschenheim und zogen zu ihren Söhnen nach Frankfurt.

Flucht und Deportation

Hugo Bamberger verließ Deutschland noch vor dem November­pogrom: Am 20. Juni 1938 emigrierte er über Rotterdam in die USA.

Julius wohnte 1938 mit Elsa und ihrem Sohn in der Günthers­burg­allee 100 in Frankfurt. Nach dem November­pogrom wurde er verhaftet und am 11. November 1938 von Frankfurt in das Konzentrations­lager Buchenwald gebracht. Am 30. November wurde er entlassen. Ein knappes Jahr später, am 6. November 1939, konnte die Familie in die USA auswandern.

Am 10. September 1942 mussten Leopold und Jenny in Frankfurt einen sogenannten Heimeinkauf­vertrag über mehr als 4.000 Reichsmark für ihre angebliche Versorgung in Theresien­stadt abschließen. Fünf Tage später, am 15. September 1942, wurden sie dorthin deportiert. Jenny wurde am 6. Oktober 1942 ermordet, mit 65 Jahren, Leopold elf Tage nach ihr, am 17. Oktober 1942, mit 77 Jahren.

Was bleibt

Julius Bamberger starb 1964 in Cincinnati. Hugo heiratete Claire Rothschild und starb 1961 in New York.

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Four Stolpersteine at Alter Rathausplatz 7 in Muschenheim remember Leopold Bamberger, his wife Jenny née Mayer and his sons Julius and Hugo.

The Bambergers had lived in Muschenheim since the late 18th century. Leopold, born in 1865, ran a small shop with Jenny and was cantor of the village’s Jewish community. As intimidation grew, the couple followed their sons to Frankfurt in 1934. In September 1942 they were deported to Theresienstadt, where Jenny was murdered on 6 October and Leopold on 17 October 1942.

Hugo emigrated to the United States in June 1938. Julius was taken to Buchenwald after the November pogrom and released at the end of November 1938; in 1939 he, his wife and their son reached the United States.

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Stolpersteine der Familie

Was die Zeilen auf den Steinen bedeuten

Quellen

Im Online-Archiv der Arolsen Archives suchen: Leopold Bamberger · Jenny Bamberger (auch geb. Mayer) · Julius Bamberger · Hugo Bamberger

Das Archiv fragt beim ersten Aufruf nach einer Einverständniserklärung. Die Suche zeigt auch Menschen gleichen Namens.

Bücher und Archive zur Geschichte der Juden in Lich: Literatur

Recherche und Text: Arbeitsgruppe Stolpersteine Lich
Stand: Oktober 2026

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