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Stolpersteine Lich

Kunstdenkmal Stolpersteine

Mit den Stolper­steinen hält die Erinnerung Einzug in unseren Alltag. Sie liegen nicht in Museen oder Archiven, sondern direkt vor unseren Füßen: an den Orten, an denen Menschen lebten, arbeiteten, träumten – bevor sie entrechtet, vertrieben oder ermordet wurden.

  • Menschen stehen im Halbkreis in einer Gasse mit Fachwerkhäusern; links kniet Gunter Demnig an der Hauswand.
    Verlegung in Lich, 18. April 2026: Nachbarschaft und Arbeitsgruppe kommen zusammen. Foto: Simon Malz
  • Viele Menschen stehen im Halbkreis vor einer weißen Mauer; eine Frau spricht ins Mikrofon.
    Die Erinnerung findet mitten im Ort statt – nicht im Museum. Foto: Simon Malz
  • Ein Mann mit Akkordeon vor den Gästen.
    Ein Akkordeon begleitet das Gedenken. Foto: Simon Malz
  • Eine Hand hält das gefaltete Programmblatt mit der Aufschrift „Stolpersteine Lich“.
    Das Programm zur Verlegung in der Hand. Foto: Simon Malz
  • Gunter Demnig von hinten, vor ihm unscharf die versammelten Gäste.
    Gunter Demnig zwischen den Gästen. Foto: Simon Malz
  • Ein Stolperstein im Gehweg, darauf eine weiße Rose.
    Eine weiße Rose auf einem fertigen Stein. Foto: Simon Malz

Jede Messing­tafel misst zehn mal zehn Zenti­meter und trägt einen Namen, ein Geburtsjahr und ein Schicksal. Sie liegt im Gehweg vor dem letzten frei gewählten Wohnort. So setzen die kleinen Tafeln der großen Geschichte ein stilles, persönliches Zeichen entgegen: Jeder Stein erinnert an einen einzelnen Menschen.

Gestolpert wird dabei nicht mit dem Fuß, sondern mit dem Kopf: Wer einen Stein bemerkt, hält inne, liest den Namen und verneigt sich ein wenig vor dem Menschen, an den er erinnert.

Künstler Gunter Demnig

Gunter Demnig (geb. 1947) rief das Projekt Anfang der 1990er Jahre ins Leben. Bis heute verlegt er die meisten Steine selbst, setzt sie ins Pflaster und poliert das Messing. So war es auch bei den meisten Verlegungen in Lich; zweimal, im November 2021 und im Winter 2022/23, setzte die Stadt die Steine, und die Arbeits­gruppe enthüllte sie.

Aus einer einzelnen Kunst­aktion ist das größte dezentrale Denkmal der Welt entstanden. Über 116.000 Steine liegen inzwischen in mehr als 1.860 Kommunen in 31 Ländern Europas (Stand: Oktober 2026).

  • Gunter Demnig mit Hut und Arbeitshandschuhen vor einer hellen Hauswand.
    Gunter Demnig (geb. 1947) rief das Projekt Anfang der 1990er Jahre ins Leben. Foto: Simon Malz
  • Gunter Demnig lehnt an der Motorhaube seines roten Transporters.
    Mit seinem Wagen ist er durch ganz Europa unterwegs – die meisten Steine verlegt er selbst. Foto: Simon Malz
  • Eine Hand im Arbeitshandschuh setzt einen Stolperstein in die Lücke im Pflaster; daneben Hammer und Eimer.
    Das Pflaster wird geöffnet. Foto: Simon Malz
  • Eine Hand rückt einen von drei Stolpersteinen im Pflaster zurecht.
    Der Stein wird gesetzt. Foto: Simon Malz
  • Gunter Demnig kniet am Boden und fegt mit einem Handfeger um die frisch gesetzten Steine; daneben stehen Eimer.
    Demnig poliert das Messing. Foto: Simon Malz
  • Nahaufnahme: eine weiße Rose neben einem Stolperstein.
    Danach die Rosen der Familien. Foto: Simon Malz

Wie ein Stein entsteht

Nur wo sich Menschen dafür einsetzen, entstehen Stolper­steine. Am Anfang stehen Recherchen in Archiven und Registern sowie Gespräche mit Nachfahren. Aus den Ergebnissen wird der Text des Steins erstellt: wenige Zeilen, die alle belegt sind. Jeder Stein wird von Hand gefertigt, von einer Patin oder einem Paten finanziert und in der Regel von Gunter Demnig selbst verlegt.

Jede Recherche, jede Verlegung und jedes Polieren ist ein Zeichen dafür, dass die Namen dieser Menschen nicht in Vergessenheit geraten.

Stolpersteine in Lich

Auch in Lich machen die Stolper­steine das sichtbar, was lange Zeit unsichtbar war: die Geschichten jüdischer Familien und anderer Verfolgter des National­sozialismus, die einst Teil unserer Stadt waren. Die Steine werden von Bürgerinnen und Bürgern recherchiert, finanziert und gepflegt.

  • Der Stolperstein für Emilie Engel in Nahaufnahme.
    „Hier wohnte Emilie Engel“ – der Stein liegt vor ihrem letzten frei gewählten Wohnort. Foto: Simon Malz
  • Der Stolperstein für Katharina Ledermann in Nahaufnahme, daneben das Blatt einer Rose.
    Der Stein für Katharina Ledermann. Foto: Simon Malz
  • Ein Stolperstein im dunklen Pflaster, daneben eine weiße Rose.
    Eine weiße Rose neben dem polierten Messing. Foto: Simon Malz
  • Drei Stolpersteine im dunklen Pflaster, an jedem liegt eine weiße Rose.
    Zwei Rosen auf dem Gehweg – die Erinnerung bleibt im Alltag sichtbar. Foto: Simon Malz

Die Steine erinnern uns daran, dass Geschichte in unserer unmittelbaren Umgebung passiert. Und dass es an uns liegt, ihr aufmerksam zu begegnen.

Kritik und Debatte

Stolper­steine sind nicht unumstritten. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultus­gemeinde München und Oberbayern, lehnt sie ab: Die Namen der Ermordeten lägen im Schmutz der Straße und würden mit Füßen getreten. Die Stadt München verlegt deshalb keine Stolper­steine auf öffentlichem Grund und erinnert mit Tafeln und Stelen an den Häusern.

Andere unter­stützen das Projekt, unter ihnen Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Gunter Demnig selbst antwortet: Wer die Inschrift lesen will, muss sich vor dem Stein verbeugen.

Wir nehmen diese Einwände ernst. In Lich hat die Stadt­ver­ordneten­ver­sammlung die Verlegung 2018 einstimmig beschlossen, und Nachfahren der Familien reisen zu den Verlegungen an.