Moritz Oppenheimer war Viehhändler in Langsdorf, wie schon sein Vater und sein Großvater. Sechs Stolpersteine vor dem Haus Im Himmerich 5, das er mit seiner Frau gebaut hatte, erinnern an ihn, an Bertha Oppenheimer, geborene Flörsheim, und an ihre Kinder Zilly, Hugo, Siegfried und Gerhard. Am 30. Juni 1934 überfiel ein SS-Trupp die Familie in ihrem Haus. Moritz Oppenheimer starb zwei Tage später an seinen Verletzungen. Bertha und die Söhne flohen im Dezember 1935, zunächst nach Bamberg, dann in die USA; Zilly und ihr Mann folgten ihnen.
Leben in Langsdorf
Moritz Oppenheimer kam 1879 im Haus Obergasse 9 in Langsdorf zur Welt, als viertes von sechs Kindern. Sein Vater Jacob Oppenheimer war Viehhändler und Handelsmann, die Mutter Zerline, geborene Herz, stammte aus Altenburg. Anders als seine Geschwister blieb Moritz in Langsdorf, und wie schon Vater und Großvater wurde er Handelsmann und Viehhändler.
1906 heiratete er Bertha Flörsheim, die in Meerholz geboren war und später in Kulmbach lebte. Das Paar wohnte zunächst in der Buchegasse 1 und baute dann ein eigenes Haus, Im Himmerich 5, in das die Familie 1912 einzog. Vier Kinder kamen zur Welt: Zilly 1907, Hugo ein Jahr später, Siegfried 1912 und Gerhard 1915.
Ausgegrenzt
Ab 1933 wurden Diskriminierung, Ausgrenzung und Bedrohung immer schärfer. Selbst nichtjüdische Nachbarn, die mit den Oppenheimers befreundet blieben, wurden als „Judenknechte“ verhöhnt und mit dem Tod bedroht.
Ende Juni 1934 lag der SS-Sturm 1/83 in Hungen im Solmser Hof. Am 30. Juni kam es in Hungen zu Gewalttaten gegen jüdische Familien. Danach befahl der stellvertretende Sturmführer, mit Motorrädern auch nach Langsdorf zu fahren und die jüdischen Familien dort zu „maßregeln“. Mit Dolchen und Schusswaffen bewaffnet, drangen die SS-Männer in mehrere jüdische Häuser ein, zerstörten die Einrichtung und verletzten die Bewohner schwer.
Bei den Oppenheimers zerschlugen sie die Glasscheibe der Haustür. Sie trafen die ganze Familie an, nur Zilly nicht. Moritz Oppenheimer wurde durch einen Schuss tödlich verletzt; Bertha und die drei Söhne erlitten schwere Stich- und Schussverletzungen. Siegfried floh aus dem Haus, um Hilfe zu holen, und wurde in der Buchegasse erneut niedergeschlagen.
Erste Hilfe leisteten Dr. Claus aus Lich und der Langsdorfer Otto Bausch, der Erfahrung als Sanitäter hatte. Die beiden sorgten auch dafür, dass die Familie ins Krankenhaus kam. Am 2. Juli 1934, zwei Tage nach dem Überfall, starb Moritz Oppenheimer im Krankenhaus in Gießen. Sein Grab ist auf dem jüdischen Friedhof in Hungen erhalten.
Flucht
Bertha und Siegfried waren so schwer verletzt, dass sie monatelang im Krankenhaus bleiben mussten. Danach verkaufte die Familie das Haus an die Familie Köhler.
Im Dezember 1935 floh Bertha mit ihren Söhnen zunächst zu ihrer Familie nach Bamberg, dann weiter in die USA. Zilly, verheiratete Meier, und ihr Mann folgten ihnen dorthin.
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Six Stolpersteine at Im Himmerich 5 in Langsdorf remember Moritz Oppenheimer, his wife Bertha née Flörsheim and their children Zilly, Hugo, Siegfried and Gerhard.
Moritz, a cattle dealer born in Langsdorf in 1879, built the house in 1912. On 30 June 1934 an SS unit stationed in nearby Hungen raided the Jewish families of Langsdorf. At the Oppenheimers’ house the men broke in, shot Moritz and stabbed and shot his wife and three sons. Moritz died of his wounds two days later.
After months in hospital the family sold the house. In December 1935 Bertha and her sons fled, first to relatives in Bamberg and then to the United States, where Zilly and her husband joined them.
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Stolpersteine der Familie
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Moritz
OppenheimerJg. 1879 30.6.1934 vom SS-Sturm überfallen/misshandelt tödlich verletzt tot 2.7.1934 Krankenhaus Gießen
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Bertha
Oppenheimergeb. Flörsheim Jg. 1883 30.6.1934 vom SS-Sturm überfallen misshandelt/verletzt Flucht USA
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Zilly
Oppenheimerverh. Meier Jg. 1907 Flucht USA
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Hugo
OppenheimerJg. 1908 30.6.1934 vom SS-Sturm überfallen misshandelt/verletzt Flucht USA
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Siegfried
OppenheimerJg. 1912 30.6.1934 vom SS-Sturm überfallen misshandelt/verletzt Flucht USA
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Gerhard
OppenheimerJg. 1915 30.6.1934 vom SS-Sturm überfallen misshandelt/verletzt Flucht USA
Was die Zeilen auf den Steinen bedeuten
Quellen
- Lesetext der Arbeitsgruppe zur Verlegung am 10. April 2019
- Rede von Ursula Jack bei der Verlegung am 10. April 2019
Im Online-Archiv der Arolsen Archives suchen: Moritz Oppenheimer · Bertha Oppenheimer (auch geb. Flörsheim) · Zilly Oppenheimer · Hugo Oppenheimer · Siegfried Oppenheimer · Gerhard Oppenheimer
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Bücher und Archive zur Geschichte der Juden in Lich: Literatur
Recherche und Text: Arbeitsgruppe Stolpersteine Lich
Stand: Oktober 2026
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